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BETTINA MÜLLER Werwölfin mit Sexappeal






 

SEVEN FANCY Band 1

Mark Staats



ISBN: 978-3-940235-81-7

Erschienen: Nov. 09

Preis: 14,90 Euro

Broschiert, 200 Seiten



 

  

Klappentext  

 

 

 

Bettina Müller – jung, modern und sexy – ist auf der Suche nach dem Mann fürs Leben.

Eben eine Frau wie du und ich.

Doch wenn das Tier in ihr erwacht, geht es den Schurken an den Kragen, denn sie wird zur Superheldin.

Zur Werwölfin.

 

 

Leseprobe

 

SATURDAY NIGHT FEELING


Samstagabend, 20:30 Uhr. Frisch geduscht creme ich mich ein und schaue an mir herunter. Ich bin zufrieden. Warum finde ich immer noch keinen Mann? Bin ich zu anspruchsvoll? Hat nicht jede Frau ein Recht auf schöne, befriedigende Stunden? Ich wäre ja schon mit Minuten zufrieden. Mit einer Handbewegung wische ich diese trüben Gedanken weg. Bin ja nicht alleine mit dem Problem. Ich zucke mit den Schultern. Dann eben selbst. Hilfe zur Selbsthilfe heißt meine Lösung. Freue mich sogar darauf. Ich gehe ins Schlafzimmer, dimme das Licht und lege mich aufs Bett. Die seidene weiße Bettwäsche liebkost meine Haut. Macht Lust auf mehr. Ich greife in meine Lieblingsschublade. Fühle das kühle Latex. Man hat schließlich Bedürfnisse – gerade als Werwolf. Und immerhin noch besser als der Wolfshund. Oder Rocky. So tief bin ich noch nicht gesunken.

Ich hole das gute Stück raus. Er ist groß. Und grün. Passt gut zu meinem Nagellack. Ich schalte ihn an. Fühle das vertraute Vibrieren. Ich fange auch an zu vibrieren. Ich habe das Gefühl, dass er mich erwartungsvoll anblickt. Motzt nicht, weil ich noch nicht bereit für ihn bin. Ist geduldig. Weiß genau, was ich will. Es wird sicher ein herrlicher Abend. Entspannt kuschle ich mich ins Laken.

Es klingelt an der Tür. Mist. Wenn das jetzt kein Mann ist, gibt es Tote. Ich werfe den Bademantel über, schlendere zur Tür und öffne sie. Es ist Andrea. Sie überlebt, schließlich ist sie meine beste Freundin.

„Noch nicht fertig?“, begrüßt sie mich schelmisch.

Sie schaut an mir herunter und kann bestimmt riechen, was ich gerade tun wollte. Frauen haben für so was den siebten Sinn.

Ich sehe sie verständnislos an. Ziehe die falschen Schlüsse. „Du hast gestört.“

Nun schaut sie verständnislos.

„Das meinte ich nicht.“

Andrea grinst. „Wir wollten doch in die Disco. Jungs aufreißen.“

Da fällt es mir wieder ein. Wir waren verabredet. Ich lasse sie rein. Wie selbstverständlich geht sie ins Schlafzimmer. Sieht meinen Big Cock 3000 XL mit vierundzwanzig Programmen und sechs Geschwindigkeiten auf dem Bett. Er summt munter, aber geduldig vor sich hin. Hatte vergessen, ihn auszuschalten.

„Schönes Teil, aber du brauchst unbedingt einen Mann. Oder eine Frau“, sagt Andrea.

Ich verdrehe die Augen. Schüttele den Kopf. War ja klar, dass sie mir durch die Blume sagt, was sie schon immer von mir wollte.

Sie durchstöbert meinen Kleiderschrank. „Hey, wo ist dein neues Minikleid?“, fragt sie.

„Hab es falsch gewaschen“, lüge ich. Kann ihr ja schlecht erklären, dass sämtliche Nähte geplatzt sind. Das ist drei Nächte her.

Begeistert stellt sie mir ein Outfit zusammen. Hohe Stiefel, ein kurzer Rock. Rock? Eher ein breiter Gürtel. Wie kommt so was in meinen Schrank? Hat Andrea mir bestimmt untergeschmuggelt. Und ein bauchfreies Top.

„Du wirst Spitze aussehen.“ Sie lacht.

Ich nicke nur. Wenn ich eine Tochter hätte, die so rumlaufen würde, gäb’s dreißig Jahre Hausarrest. Bei den Strapsen streike ich. Meine Augen funkeln böse. Ich bin doch kein Flittchen. Andrea grinst nur. Sie nimmt die Klamotten, schleift mich ins Bad und drückt mich auf den Hocker. Anschließend greift sie zu meinem Make-up. Ich lasse alles über mich ergehen. Ist besser so. Dann die Katastrophe. Sie steht hinter mir. Macht mir die Haare. Und stutzt.

„Du hast ja Haare auf dem Rücken“, sagt sie angewidert.

„Oh Scheiße“, stöhne ich. Manchmal kann ich es nicht kontrollieren. Hätte sie es mich zu Ende bringen lassen … Ich denke an meinen Big Cock 3000 XL.

„Macht nix, Liebes“, meint sie, reißt die Schublade des Badschrankes auf und greift zur Pinzette.

Eine tödliche Waffe in ihrer Hand. Ich schlucke. Ich hasse Pinzetten, Wachs auch. Muss aber alles sein, wenn man nicht als alleinstehende Frau sterben will.

„Die reicht für heute.“ Beherzt versucht Andrea, eins der Haare rauszureißen.

Ich schreie spitz auf.

„Ganz schön hartnäckig, das Biest.“ Sie zerrt und zerrt.

Mir steigen Tränen in die Augen. Kein Mann ist das wert. Vielleicht sollte ich doch alleinstehend bleiben. Plötzlich spüre ich einen langen Zahn. Nicht jetzt. Ich denke an etwas anderes. Fußball. Tatort. Steaks. Nein, bloß keine Steaks. Mein Chef. Mist! Falscher Ansatz! Davon wird der Zahn nur länger. In meiner Kehle grummelt ein unterdrücktes Knurren.

„Hast du noch nicht zu Abend gegessen?“, fragt Andrea, die Augen weit aufgerissen.

„Nöch viel“, nuschele ich, die Hand vor dem Mund. Sie darf die Zähne nicht sehen. Dann kommt mir der rettende Einfall. Taschentücher! Nasenspray! Allergie! Die Zähne bilden sich zurück. Puh, Glück gehabt.

„Da ist der Scheißer!“ Andrea strahlt über das ganze Gesicht. Sie hat das Knurren schon vergessen und zeigt mir das Haar. „Das nächste Mal nimmst du Wachs.“

„Nehme ich doch“, verteidige ich mich. Lachend fährt Andrea mit der Tortur fort. Ich denke an Nasenspray. Sie reißt die letzten Haare raus. Ich wische mir die Tränen weg. Es ist so befreiend, wenn der Schmerz nachlässt.


Nach einer halben Stunde sind wir fertig. Ich bewundere mich im Spiegel. Andrea hat ganze Arbeit geleistet. Ich bin aufgebrezelt bis zum geht nicht mehr. Passender Lippenstift zum Nagellack. Diesmal nicht grün, sondern grell pink – ein super Kontrast zu den Haaren. Beißt schlimmer als ich in Rage. Ich könnte bestimmt viel Geld verdienen, denke ich sarkastisch. Als Bordstein-Werwolf. Aber nicht bei dem Angebot an Männern.

„Augen zu“, sagt Andrea abschließend.

Ich gehorche. Höre ein Zischen und spüre Feuchtigkeit auf der Kopfhaut. Ich öffne vorsichtig wieder die Augen. Andrea steht mit einer Dose Haarspray in der Hand vor mir. Dann zerrt sie mich aus dem Bad, drückt mir die Stiefel in die Hand und wartet ungeduldig. Ich schnüffele unmerklich. Sie will Männer. Oder mich. Andrea, meine ewige Single-Freundin. Wenigstens hat sie was im Bett.

Ich nehme meine Handtasche. Andrea wirft ein paar Kondome rein. Meint, für alle Fälle. Manchmal geht sie mir tierisch auf den Geist. Aber sie ist meine beste Freundin.

Wir verlassen das Haus. Rocky steht schwanzwedelnd am Zaun. Wenigstens gefalle ich ihm.

„Hat der kein Zuhause?“, fragt Andrea.

Ich zucke mit den Schultern. Wir gehen zu ihrem Wagen. Ein Porsche Boxster Cabrio. „Neu?“, frage ich anerkennend.

„Hat mir mein Vater gekauft.“

Warum kann ich nicht ihres Vaters Tochter sein? Würde viele Probleme lösen. Zum Beispiel meinen Textilienverbrauch. Meinen Polo.

Wir fahren mit röhrendem Motor zur Dorfdisco. Ein Fußweg von zwölf Minuten. Warum eigentlich? Andreas Wagen würde uns vermutlich in dreißig Minuten nach Hannover bringen. Aber sie spielt gerne mit den Jungs vom Dorf. Zeigt was sie hat. Ich nicht. Ich jage sie viel lieber. Wenn sie mal wieder Scheiße gebaut haben. Machen sie ständig. Dann komme ich. Und keiner von denen weiß, mit wem er es zu tun hat. Ich bin wie ein Schatten. Noch nie ist etwas über mich erzählt worden. Nichts. Denn ich hinterlasse prinzipiell keine Spuren. Gott sei Dank. Sonst würde hier bestimmt das SEK auftauchen. Oder Schlimmeres – die Tierschützer.

Wir stellen den Wagen auf den Parkplatz ab und steigen aus. Einige Männer stehen an ihren aufgemotzten Kleinwagen und gaffen uns an. Sie riechen nach Alkohol und fallen schon bei mir durch.

„Es ist Jagdsaison.“ Andrea grinst und winkt ihnen zu. Klimpert mit den Wimpern.

Die Jungs hecheln. Mein Zahn wächst wieder. Taschentücher! Taschentücher! Nasenspray! Nasenspray! Puh, Gefahr gebannt!

Wir gehen zur Tür. Ich höre es jetzt schon. DJ Ötzi. Innerlich würge ich. Andrea zieht mich mit. Etliche Männer pfeifen, als sie uns entdecken. Ich überlege, ob ich sagen soll, was ich koste. Andrea öffnet die Tür. Die Hölle auf Erden bricht los. Ein Abend Dorfdisco.

Ich wünsche mich in mein seidiges Bett zurück. Mit meinem Big Cock. Die Musik wird lauter. Moschusgeruch und Amber treffen mich wie eine Faust. Ich bleibe schlagartig stehen und würge ein weiteres Mal. Ich schnüffele. Und lache. Einige Typen haben dieses „Damit-krieg–ich-jede-Frau-rum“ Zeugs drauf. Bekommt man ja in bestimmten Geschäften. Soll helfen und ist teuer. Ja, es hilft. Bei Mottenweibchen. Ganz bestimmt. Ich lache immer noch. Dann lieber doch Moschus und Amber. Andrea schaut irritiert.

„Was ist?“

„Alles in bester Ordnung. Ich freue mich nur, mal wieder mit dir Spaß zu haben“, rede ich mich raus und lege meinen Arm um ihre Hüfte. Sie schmiegt sich an mich. „Komm“, sage ich. Diesmal ziehe ich sie mit. Und stolpere. Scheiß Stiefel. Scheiß Stufe. Ich lasse Andrea los, sehe ihr enttäuschtes Gesicht. Sie stellt sich sicher gerade vor, wie sie auf mir landet. Kurz rudere ich mit den Armen, verlagere mein Gewicht, hocke mich hin wie Spiderman. Sehe cool aus.

„Machst du Kampfsport?“, fragt Andrea.

Männer pfeifen anerkennend. Nicht wegen der Einlage. Meine Körperhaltung lässt nun vieles erkennen. Ich springe auf. Wieder ernte ich Pfiffe. Ich gifte die Männer an und nehme mir vor, meine Fähigkeiten besser zu kontrollieren. Wahrscheinlich ist das nutzlos. Mein Körper reagiert automatisch. Der Werwolf in mir. Ich wende mich Andrea zu.

„Nein, ich hab ein Wii-Fit-Board“, rede ich mich raus und greife diesmal nur ihre Hand. Gehe dann weiter. Die Musik hat gewechselt. Gott sei Dank.

Andrea schupst mich auf die Tanzfläche. Ich bewege mich geschmeidig zur Musik. Noch ein Vorteil des Werwolfseins. Einige junge Männer tanzen mich an. Ich habe meinen Spaß. Scanne sie so nebenbei und befinde: nicht genug Testosteron. Aber genug Alkohol. Ich lasse sie links liegen. Tanze für mich alleine weiter. Ich blicke zur Theke und werde langsamer. Da steht der Typ, der mir mit dem Auto geholfen hat. Er winkt. Ich winke strahlend zurück. Schnuppere in seine Richtung. Ja, der wäre fast perfekt. Mein Lächeln wird breiter. Mein Körper strafft sich. Ich stelle mich unter den Scheinwerfern in Pose. Gut, dass ich die scharfen Klamotten anhabe. Der erste Eindruck zählt wie man weiß. Ich beschließe, alles auf eine Karte zu setzen und ihn anzubaggern. Meine Füße bewegen sich wie von selbst vorwärts.

Da kommt seine Frau vom Klo. Mein Lächeln stirbt und meine Füße machen eine Vollbremsung. Ich setze mich zerknirscht. Bette mein Gesicht in meine Hände. Den Tränen nahe. Womit habe ich das alles nur verdient? Ich bestelle frustriert einen Wein. Meine Blicke schmachten immer wieder zu dem Kerl rüber. Darf der das? Mit seiner Frau hier knutschen. Beleidigt drehe ich den Kopf weg. Um kurz darauf wieder hinüber zu schielen. Was macht denn seine Zunge da an dem Hals der Frau? Oh, Gott. Komm sofort rüber. Doch mein Wunsch wird natürlich nicht erhört.

Nach einiger Zeit verlassen beide die Disco. Ich kann mir vorstellen, was bei denen nun geschieht. Der Abend ist gelaufen. Ein paar Mal tanze ich noch. Mehr missmutig als alles andere. Irgendwann nörgele ich. Meine beste Freundin versteht die Welt nicht mehr. Beschließt, mich heimzufahren, bevor ich ihr auch die Stimmung versaue. Aber mit der Auflage, dass ich ab morgen die Partnerschaftsanzeigen lese. Auch in einschlägigen Zeitschriften, meint sie. Denn so kann es unmöglich weitergehen. Ich nicke und verspreche es. Doch wenn sie wüsste, wie schwer es ist, den richtigen Partner zu finden – besonders für einen Werwolf.

Allein fährt sie noch mal zurück. Einige Typen warten auf sie. Ich habe die Wahl zwischen Rocky und meinem Big Cock 3000 XL. Ich streiche Rocky. Freue mich nur noch auf mein Bett. Dort liegt er. Hat schon auf mich gewartet. Wie immer geduldig. Ich entkleide mich. Mache es mir gemütlich. Will da weitermachen, wo ich vor ein paar Stunden aufgehört habe. Greife ihn sanft. Meine Finger wandern über seine grüne Kunsthaut. So weich. Ich will den Power-Schalter betätigen. Und merke auf. Er steht auf ON. Verflucht! Er ist die ganze Zeit gelaufen. Nun sind die Batterien leer. Und ich habe keine neuen im Haus. Ich stehe auf. Wütend auf mich. Dann verwandele ich mich. Springe in das Dunkel der Nacht hinaus und nutze jeden Schatten. Es darf mich ja schließlich keiner sehen. Muss mir mal endlich den Wolfshund anschauen. Nur schauen.