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Bettina Schlager |
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ISBN: 978-3-940235-08-4 Erschienen: Jul. 07 Preis: 14,90 Euro Broschiert, 188 Seiten |
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Klappentext
„Der Tod ist eine optische Täuschung“, sagte Albert Einstein. Für die Fondsanalystin Catherine wird er bittere Realität, als ihr engster Vertrauter und Vaterersatz Paul bei einem Autounfall stirbt. Den Mythos einer unsterblichen Seele hält sie für Aberglauben, den Himmel für ein Trugbild am Horizont. Paul erkämpft sich den Job als Catherines Schutzengel und schickt sie auf eine Reise in den Mittelpunkt der vier wichtigsten Fragen: Wofür lohnt es sich zu leben? Wofür lohnt es sich zu sterben? Was ist heilig? Was ist der Geist? Catherine verliebt sich in zwei vollkommen gegensätzliche Männer und sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus diesem Dilemma. Ein hinreißender Roman über das Geheimnis, das hinter dem Leben steckt und darauf wartet, von uns entdeckt zu werden.
Leseprobe
Es wäre unsinnig zu behaupten, Bopol glaubte, vor Aufregung zu sterben. Schließlich war er schon seit einer geraumen Weile tot. Auch dieser ein unangebrachter Ausdruck. Tod: Zustand, in dem alle Vorgänge im Körper eingestellt worden sind. So ein Unfug, dachte Bopol. Nichts war eingestellt. Nur umgestellt. Bopol war bereit. Er hatte die Probezeit bestanden, mit dem Archivar gesprochen, nach Präzedenzfällen gesucht. Sich mit seinen Kollegen ausgetauscht, Rat eingeholt. Nichts konnte ihn jetzt noch aufhalten. Gar nichts. Außer Justus.
„Kommt ja überhaupt nicht in Frage. Schließlich hat sie dich nicht ausdrücklich darum gebeten“, schnaubte Justus und schüttelte den Kopf. Ausdrücklich! Was sollte das schon heißen. Befehl, Wunsch, Bitte. Wo lag der Unterschied? Hatte auch ER nicht die Welt zuerst erwünscht, erdacht? War die Kraft der Vorstellung nicht Voraussetzung für das Ausdrückliche? „Sie hat es sich gewünscht.“ Bopol bemühte sich, ruhig zu bleiben. „Pah! Man muss schon den Mut finden, zur Tat zu schreiten. Mit ein bisschen Wünschen ist es nicht getan. Glaubt sie denn an uns?“ Diese Frage hatte Bopol befürchtet. Natürlich nicht. Weder an uns, noch an Gott, noch an sonst irgendetwas Unbeweisbares. Verärgert beobachtete er, wie Justus triumphierend lächelte. „Gut. Du hörst meine Gedanken. Und ich spüre Catherines Wünsche. Außerdem ist Ablehnung auch nichts anderes als Hingabe.“ „Soso. Menschen sollten es zumindest fertig bringen verwandte Seelen selbst zu erkennen, ohne unsere Mithilfe. Es ist nicht unsere Aufgabe, ihnen diese Arbeit abzunehmen.“ „Das möchte ich auch gar nicht“, erwiderte Bopol beharrlich. „Sie ist intelligent genug, das selbst zu schaffen. Ein wenig Schutzengelhilfe könnte dabei allerdings nicht schaden.“ „Soso. Intelligenz allein genügt aber nun mal nicht. Und du bist nicht ihr Schutzengel. Soweit bist du noch nicht!“ „Wer könnte diesen Job besser erledigen als ich? Rainer versucht schon lange, sie zu erreichen. Ohne Erfolg. Er ist ziemlich frustriert.“ „Frustriert. Blödsinn. Er hat nur keine Lust, sich anzustrengen, schwelgt in seiner Poesie. Ich habe nie behauptet, dass euer Job ein Zuckerschlecken ist. Es gibt eine Hierarchie hier oben, mein Lieber. Schutzengel spielen ist ein hartes Stück Arbeit. Das schafft man nicht einfach so hoppla hopp.“ „Harte Arbeit schockiert mich nicht“, rief Bopol heftig. „Ich kenne die Spielregeln, kenne Catherine – besser als irgend sonst jemand.“ „Und sie? Das Dämchen hat doch keine Ahnung, welche Arbeit auf sie zukommt. Da soll deine Motivation ausreichen? Dein Wille geschehe? Wie im Himmel, so auf Erden. Oder was?“ Bopol hielt inne. Justus schien sich in Fahrt zu reden. Das konnte er auf keinen Fall zulassen. „Bitte. Lass es mich versuchen. Ist es nicht auch unsere Aufgabe, den Menschen zu helfen? Ich kann doch nicht tatenlos zusehen, wie sie an ihrem Schicksal vorbei lebt. Sie erholt sich so langsam von meinem Tod und bumm, schon kommt der nächste Schlag.“ Justus schaute grimmig. „Schicksalsschläge gehören zum Leben, nur so reifen die Menschen. Was ist das überhaupt für ein Problem?“ „Er wird sterben. Bald.“ „Wer?“ „Der Mann, den sie sich aussuchen wird. Du hast Dich überhaupt nicht auf unser Gespräch vorbereitet.“ „Du bist so was von starrsinnig! Ist sie das auch wert?“ Bopol lächelte. „Oh ja. Schau doch selbst.“ Scharf sah Justus ihn an. Er war von diesem hochbegabten Neuzugang begeistert gewesen und hatte ihn ins Herz geschlossen. Diese ungläubige Nichte war ganz offensichtlich wichtig für ihn. Er schnaubte leise. Leben. So oder so eine tödliche Sache.
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