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Im Feuer der Sterne






 

Elke Meyer



ISBN: 978-3-940235-21-3

Erschienen: Mai. 08

Preis: 14,90 Euro

Broschiert, 188 Seiten



 

  

Klappentext  

 

 

 

Als Kind erlebt Katharina wie ihr Vater, ein angesehener Archäologe, wegen seiner revolutionären Theorien von anderen Wissenschaftlern verspottet wird. Jahre später arbeitet sie selbst als Archäologin in einem Ausgrabungscamp in Mexiko und ist bemüht, den Ruf des Vaters zu rehabilitieren. Sie entdeckt ein steinernes Fragment mit unbekannten Glyphen. Nach alter Maya-Legende sagt dieser Fund eine Wende im Leben voraus.


Diese zeichnet sich wenig später ab, als sie im Tal der Kakteen einen Fremden aus einem Feuer rettet. Kian ist nicht nur ein faszinierender Mann, sondern beeindruckt mit seinem Wissen über die Maya. Ist er der Schlüssel zu den Glyphen?


Eine Liebe entflammt, aber sie steht unter keinem guten Stern. Kian kann nicht bleiben ...


Ein packender Roman um das Wissen der Maya, dem Ursprung der Menschheit und der Macht der Gefühle.

 

 

Leseprobe

 

Katharina ballte ihre Hände hinter dem Rücken zu Fäusten. Sie schloss für einen Moment die Augen, als könnte sie die ausgehende Kraft des Talismans fühlen. Sie hielt die Miniatur eines Maya-Kalenders in Händen, den ihr Vater in Mexiko für sie hatte anfertigen lassen. Der medaillengroße Glücksbringer aus Ton, trug indianische Zeichen, kunstvoll auf beiden Seiten eingraviert. Wenn sie traurig und allein war, was oft vorkam, spendete er Trost und Mut. Heute sollte er allerdings dem Vater beistehen. Sie erinnerte sich an den Moment, als er ihn ihr schenkte.


„Dieser Kalender ist etwas ganz Besonderes, Kathi, weil er Wahrheit und Kraft in sich vereint.“ Ehrfurcht lag in seiner Stimme, als er ihn ihr überreichte. „Er ist die Verbindung zu einer anderen Welt. Schau hinauf zu den Sternen. Dort oben liegt der Ursprung der Menschen und dieser Kalender hilft uns, ihn zu finden.“ Mit leuchtenden Augen zeigte er zum sternklaren Himmel.


„Kannst du die Plejaden erkennen, die ich dir neulich gezeigt habe, mein Schatz? Weißt du noch, worauf sie verewigt worden sind?“


„Ja, Papi, auf der Himmelsscheibe von Nebra.“ Sie merkte sich immer alles, was er ihr erklärte.


„Braves Kind. Du hast meine Worte nicht vergessen und viel gelernt. Die Plejaden haben das Schicksal der Maya entscheidend beeinflusst, und auch das unsere. Eines Tages werde ich allen Menschen beweisen, dass ich Recht habe. Und wenn ich es ihnen erzähle, dann wirst du mich begleiten, Kathi.“


Er tippte mit seinem Zeigefinger sanft auf Katharinas Brust und sie nickte. Voller Stolz drückte er sie an sich und gab ihr einen Kuss auf das leuchtend rote Haar.


Wie konnte er nur glauben, sie könnte seine Worte vergessen haben? Katharina sah zum Podium hinauf.


Gemeinsame Momente mit dem Vater bedeuteten eine Seltenheit, denn er verbrachte Monate in Mexiko. Als angesehener Historiker und Archäologe verweilte er am Ausgrabungsort und verbrachte nur wenig Zeit mit seiner Familie. Wie gern hätte Katharina ihn in das exotische Mexiko begleitet. Sie bettelte, flehte ihn jedes Mal an, sie mitzunehmen.


„Wenn du älter bist, wirst du mich begleiten. Mit zehn Jahren bist du zu jung und außerdem braucht Mama dich. Sei mein braves Mädchen und freu dich auf unser nächstes Wiedersehen.“ Seufzend fügte sich Katharina in ihr Schicksal, selbst wenn es ihr noch so schwer fiel und die Zeit dazwischen endlos erschien.


Und wenn er dann aus Mexiko zurückkehrte, war ihre Freude grenzenlos und sie lauschte gebannt seinen Worten. Was er berichtete, klang abenteuerlich und geheimnisvoll. Die spannenden Geschichten um das fremde Land regten ihre Fantasie an. Eines Tages, nahm sie sich vor, würde sie dort auch als Archäologin arbeiten.

 


Noch immer hallten seine Worte in Katharinas Ohren. Nun schien sich am heutigen Tag sein Traum endlich zu erfüllen.


Sie saß neben ihrer Mutter Inge in der ersten Reihe des Münchner Kongresssaales, der bis auf den letzten Platz besetzt war und verfolgte Vaters Vortrag.


Konrad Richter stand auf dem Podium, die Arme auf das Rednerpult gestützt und sein Blick glitt über die Reihen der zahlreichen Zuhörer, bis er auf Katharina verweilte, die zurück lächelte.


Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, schlenkerte sie mit den Beinen. Mutters schmale Hand legte sich auf Katharinas Knie, begleitet von einem warnenden Blick. Sofort verstand Katharina die Aufforderung, lehnte sich auf dem Stuhl zurück und stellte die Beine artig nebeneinander.


Katharina beobachtete aus dem Augenwinkel, wie Mutter den Rücken straffte und die schlanken Beine überschlug. Dabei rutschte die Handtasche von ihren Knien zu Boden, was Vater einen missbilligenden Blick entlockte. Katharina wollte die Tasche aufheben, wurde aber mit einer Geste von Mutter zurückgewiesen. Katharina bemerkte die Röte, die Mutters Gesicht überzog, während diese hastig die Tasche aufhob. Mutter war attraktiv, mit blondgefärbten, kurzen Haaren. Sie trug auf Vaters Wunsch das dunkelblaue Kostüm.


Doch sie wirkte nervös, strich sich immerzu Haarsträhnen hinter die Ohren und zupfte am Pony herum. Ihre Körperhaltung drückte Anspannung aus. Fest umschloss sie den Bügel der Handtasche und nickte Katharina zu. Dann hüstelte sie und hielt die Hand vor die grellrot geschminkten Lippen. Ein fast unmerkliches Muskelzucken in Vaters Gesicht verriet, dass ihm diese erneute Störung nicht entgangen war. Für einen weiteren Moment unterbrach er, beugte sich nach vorn über das Mikrofon, nippte am Wasserglas, das vor ihm stand, räusperte sich und begann den Vortrag fortzusetzen. Katharina hasste die Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen ihren geliebten Eltern, die sie ängstigten.


Sie bemerkte glänzende Schweißperlen auf Vaters Halbglatze und verglich ihn mit dem Vater von Indiana Jones, genauso klug und wissend, aber ebenso zerstreut. Der anthrazitfarbene Nadelstreifenanzug, das weiße Hemd mit der roten Fliege und die Nickelbrille unterstrichen diesen Eindruck. Lampenfieber ließ ihn immer wieder die Brille zurechtrücken und seinen Schnurrbart erzittern.


Vater wiederholte noch einmal die Textpassage aus dem 1. Buch Moses, Vers 6. Katharina kannte sie auswendig. Er hatte sie ihr oft genug vorgesprochen. Danach klappte er die Bibel zu, um sich an die Zuhörer mit den erwartungsvollen Mienen zu wenden.


„Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie fragen sich sicherlich, weshalb ich Ihnen eine Passage aus der Bibel vorlese, und was es mit den Gottessöhnen auf sich hat. Ich möchte Ihnen meine Theorie dazu erklären, die aus jahrelanger, intensiver Forschung resultiert. Zum besseren Verständnis muss ich ein wenig ausholen. Darwin war davon überzeugt, der Mensch habe sich aus dem Affen entwickelt. Unsere Wissenschaft spricht heute von gemeinsamen Vorfahren. Die Evolution des Menschen verlief jedoch anders, als bei den übrigen Primaten. Nach derzeitig gültigen Theorien liegt die Wiege der Menschheit in Afrika, wo das Leben unserer Vorfahren auf den Bäumen begann. Später wechselte es in die Savanne, was den aufrechten Gang zur Folge hatte. Doch das will ich nicht im Detail erläutern. Das wissen Sie ebenso gut wie ich. Unsere Vorfahren hießen Homo habilis, Homo erectus. Bitte entschuldigen Sie, wenn ich sie nicht alle benenne. Diese Menschenarten unterscheiden sich vor allem vom heutigen Menschen durch die Größe des Gehirns und das abstrakte Denkvermögen. Die Evolution ist ein langsamer Prozess, der durch Anpassungen an die Umwelt erfolgt, bei dem so genannte Zwischenstadien den Übergang bilden. Das bedeutet, dass es dazwischen eine Spezies gegeben hat, die Eigenschaften zwei verschiedener vereinte. Aber weshalb haben wir bislang keine Zwischenstadien der menschlichen Entwicklung gefunden? Bis heute fehlen die entscheidenden Skelettfunde.


In unseren Lehrbüchern lesen wir vom Cro-Magnon-Mensch und seinem plötzlichen Erscheinen. Er ist unser Urvater. Da stellen sich mir die Fragen: Woher kam er so plötzlich? Wie konnte er sich derart schnell entwickeln? Welche Zwischenstufe gab es? Welche Umstände veranlassten diese fortgeschrittene Entwicklungsstufe? Fragen über Fragen, doch keine Antworten. Wir wissen es einfach nicht. Die Spur unseres Vorfahren verliert sich im Dunkel der Vergangenheit.


Was teilen uns die alten Überlieferungen einzelner Völker über das Entstehen der Menschen mit? Und da komme ich zu meinem Spezialgebiet, den Mayas. In ihren Schriften berichten sie von Göttern, die die Welt und den Menschen erschufen. Überall auf der Welt wurde von Göttern gesprochen, die vom Himmel herab gestiegen waren. In der Bibelstelle, die ich eben zitierte, stand, deren Söhne hätten sich mit den Menschentöchtern vermischt. Die Götter werden nicht nur in der Bibel erwähnt, sondern sie ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Kontinente und Religionen. Aber wer waren diese Götter und woher kamen sie? Sind sie reine Fiktion oder existierten sie tatsächlich? Immer wieder deuten Artefakte auf das Siebengestirn hin, auch Plejaden genannt oder das Sternbild Orion. Denken Sie an die Himmelsscheibe von Nebra oder an den Kalender der Mayas, der die Bewegung des Sieben-Gestirns erwähnt und Menschenopfer rechtfertigte.


Ich behaupte, die Götter waren keine Erfindung der Menschen, sondern kamen aus den Tiefen des Alls. Vielleicht aus einer anderen Dimension, und wir sind ihre Kinder. Jawohl, ich glaube, wir selbst sind die Außerirdischen auf diesem Planeten.“


Im Kongresssaal herrschte Stille. Eine ungeheure Spannung lag in der Luft. Katharinas Herz klopfte zum Zerspringen. Irgendetwas stimmte hier nicht, das konnte sie spüren. Ängstlich richtete sie den Blick auf Mutter, die mit angespannter Miene zum Rednerpult starrte.


Dann brach ein Sturm der Empörung los.


Katharina und Mutter saßen starr auf ihren Plätzen, während die Wissenschaftler um sie herum aufsprangen und Vater wüst beschimpften. Drohgebärden folgten, einige stürmten sogar Kopf schüttelnd aus dem Saal.


Irgendjemand brüllte in den Raum: „Früher hätte man Ketzer wie ihn verbrannt!“ Wieder andere riefen, der Vortrag wäre eine Schande für die wissenschaftliche Welt.


Vater stand noch immer am Rednerpult und versuchte mit seiner Stimme den Lautstärkepegel zu übertönen, was kläglich misslang, da das Mikrofon versagte. Er versuchte mit Gesten die aufgebrachte Menge zu besänftigen.


Da flog etwas über die Köpfe der Zuhörer in den ersten Reihen, vorbei an Katharina und direkt auf Vater zu. Ein Ei klatschte in sein Gesicht, zerbrach, und der zähe Brei floss seine Wange hinab. Tränen der Scham schossen in Katharinas Augen.


Mutter erhob sich zitternd und bleich, umfasste grob Katharinas Arm und zog sie in Richtung Ausgang. Katharina wollte nur noch so schnell wie möglich diesen Ort verlassen. Wütende Rufe begleiteten sie. Sie konnte nicht verstehen, weshalb die Leute auf Vater so zornig waren.

 

*

 

Die untergehende Sonne tauchte die Ausgrabungsstätte mit den vier steil aufragenden Monolithen in goldenes Licht. Katharina kniete im Schatten der tonnenschweren Steinquader und betrachtete ehrfürchtig das Naturschauspiel.


Endlich war sie dem Beweis für Vaters Theorien näher gekommen. Mit Hilfe seiner Aufzeichnungen hatte sie die Opferstätte und den Kalender, stumme Zeugen einer längst vergessenen Epoche, gefunden. Leider konnte sie wegen seines frühen Todes den Moment des Triumphes mit ihm nicht teilen. Katharinas Augen füllten sich mit Tränen, als sie sich an seine eifrige Suche erinnerte, die erfolglos geblieben war.


Nun lag eine runde, steinerne Scheibe vor ihr, in die vor langer Zeit Menschenhände einen Kalender meißelten. Er war der Beweis für eine Geschichte, die lange vor der Existenz der Mayas lag, aus einer Zeit, die fremd und unwirklich erschien und doch existiert hatte. Die Mayas kannten sie. In ihren zahlreichen Überlieferungen erzählten sie vom Ursprung der Menschheit. Viele Wissenschaftler setzten diese Legenden und Mythen Märchen gleich.


Auch sie hatte sich lange geweigert, daran zu glauben, was an dem Spott lag, den Vater zu spüren bekam. In dem Moment, in dem sich alle von ihm zurückzogen, beschlichen auch sie die Zweifel. Heute schämte sie sich dafür, denn sie wusste, dass er sich nicht geirrt hatte.


Katharinas Blick richtete sich in die Ferne. Noch vor einem Jahr hatten sie zusammen hier oben gestanden und diskutiert, an welcher Stelle sie mit den Ausgrabungen beginnen wollten. Es schien eine Ewigkeit zurückzuliegen. Seine Vermutungen und Spekulationen beschrieb er in einem Buch. Ein ketzerisches Werk, wie viele seiner Kollegen behaupteten. Der Skandal, den es auslöste, stürzte ihn ins Grab.


Verdammt! Warum war alles so gekommen? Weshalb war er so verbohrt gewesen und hatte auf seinen Thesen beharrt? Aber die Besessenheit in ihm schob die Wirklichkeit beiseite. Sie sah auf den Kalender hinab und ballte die Fäuste, als trüge er die Schuld an Vaters Tod. An diesem Relikt klebte Blut, nicht nur das ihres Vaters. Wie viele Menschen waren seinetwegen zum Opfer gefallen? Sie schauderte bei der Vorstellung, dass der Hügel, auf dem sie kniete, mit dem Blut unzähliger Unschuldiger getränkt war. Doch nur der verfärbte Staub zeugte von den Untaten.


Mit dem Pinsel entfernte sie die letzten Sandspuren, einzig begleitet vom Zirpen der Zikaden. Seit Stunden kniete sie bei unerträglicher Hitze auf dem Sandboden, um Zentimeter für Zentimeter die rotbraunen Staubschichten zu entfernen. Aber es hatte sich gelohnt, alles war unversehrt. Nun müsste der Fund nur noch katalogisiert und verpackt werden, um ihn ins mexikanische Nationalmuseum transportieren zu lassen.


Obwohl sie völlig erschöpft war, lächelte sie zufrieden. In der Zwischenzeit war es dunkel geworden. Aber Katharina wollte die Arbeit noch nicht beenden. Die Kollegen belächelten ihren Eifer. Sollten sie doch, sie mussten ja auch nicht das Ansehen ihrer Väter wieder herstellen. Sie klopfte gegen die Laternenscheibe, bevor sie den Docht anzündete.


Der Generator war vor einer Stunde ausgefallen. Ohne die Laterne hätte sie die Arbeit nicht fortsetzen können. War sie nicht genau so besessen wie Vater? So wollte sie doch nie sein. Aber es war dieser Zwang in ihr, seine Persönlichkeit ins rechte Licht zu rücken. Schweiß rann ihr von der Stirn und tropfte auf den staubigen Stein. Wenn es doch nur nicht so heiß wäre, dann hätte sie die abendliche Stimmung unter dem blauen Sternenhimmel genießen können.


Seit Tagen litt Mexiko unter einer extremen Hitzewelle. Selbst in den Nächten sank die Temperatur um maximal ein Grad. Der Boden war ausgetrocknet und hart, die Pflanzen verdorrt. Nur die Kakteen trotzten den Temperaturen. Die Medien berichteten von einem klimatischen Jahrhundertphänomen. Natürlich war sie heiße Sommer in Mexiko gewöhnt, aber dieser hier übertraf alles, was sie bisher kennen gelernt hatte. Sie wischte mit dem Handrücken über die schweißnasse Stirn.


Endlich war die Arbeit beendet und sie steckte den Pinsel ins Etui, das sich in der Gesäßtasche ihrer Jeans befand. Gähnend streckte sie die schmerzenden Arme. Geschafft! Erschöpft, aber glücklich war sie.


Ein erneuter Blick zum Himmel verriet, dass auch jetzt keine Wolke zu erkennen war. Manchmal gab es einen schnellen Wetterumschwung, doch im Moment sah es nicht danach aus. Jeder sehnte sich nach Abkühlung und Regen. Ihre helle Haut litt unter der intensiven Sonnenbestrahlung, trotz Creme, und schälte sich. Das Los aller Rothaarigen. Sie zog eine Grimasse. Schon in ihrer Kindheit hatte Mutter darauf geachtet, dass sie sich nie zu lange in der Sonne aufhielt. Wehmut erfüllte Katharinas Herz, als sie an sie dachte. Sie konnte sich gar nicht mehr an ihr Gesicht erinnern. Das rote Haar war ihr Erbe an Katharina. Doch sie hatte es nie gemocht und immer gefärbt.


Vater hingegen war immer sehr stolz auf Katharinas Rotschopf gewesen. Liebevoll bezeichnete er ihn immer als ‚Feuermähne’.


In Mexiko wurde eine rothaarige Frau wie ein Weltwunder bestaunt, weil diese Haarfarbe hier selten vorkam. Deshalb zog sie die Aufmerksamkeit der Männerwelt auf sich, auch die von Angelo. Der Gedanke an ihn ließ sie lächeln und die schmerzhaften Erinnerungen an die Vergangenheit verdrängen. Immer wieder fand er Komplimente für ihre Haarpracht und ihre katzenhaft grünen Augen. Seine Aufmerksamkeit tat ihr gut und ließ sie die Einsamkeit für einen Augenblick vergessen.


Plötzlich fiel ihr ein, dass Angelo vermutlich noch immer im Pickup auf sie wartete. Dabei hatte sie ihm fest versprochen, heute pünktlich zu sein. Nun war es zu spät, und sie musste sich wieder entschuldigen.


Das kurze Aufleuchten eines Blitzes am Himmel unterbrach ihre Gedanken. Die Wettererscheinung war seltsam, weil sie eine Rauchwolke hinter sich her zog, die sich in Nichts auflöste.


„Katharina, jetzt halluzinierst du schon. Ein Blitz am wolkenfreien Himmel?“ Ihre Stimme war von Staub und Hitze rau. Aufmerksam beobachtete sie das Firmament und wartete gespannt, ob sich das Schauspiel wiederholte. Da kein weiterer Blitz folgte, zuckte sie mit den Schultern. Vermutlich eine Sinnestäuschung, die ihrem Erschöpfungszustand zuzurechnen war.


Steif erhob sie sich vom steinigen Boden und massierte die Beine. Dann klopfte sie mit den Händen Staub und Sand aus der Kleidung. Die Jeans war unterhalb der Knie aufgescheuert und ließ die bloße Haut erkennen. Große Schwitzflecken zeichneten sich überall auf ihrem Baumwollhemd ab. Welch erotischer Anblick. Katharina verzog den Mund zu einem Lächeln. Dennoch würde Angelo sie mit einem begehrenden Blick betrachten, wie er es immer tat, selbst in diesem Zustand.