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Alexa Stein |
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ISBN: 978-3-940235-29-9 Erschienen: Sep. 08 Preis: 14,90 Euro Broschiert, 186 Seiten |
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Klappentext
In der Familiendynastie Kronus ist nicht alles wie es scheint. Susan Andretti findet das schnell heraus, als sie von ihrer Firma mit einem Softwareprojekt im Hause Kronus beauftragt wird. Als der Enkel des Großindustriellen entführt wird, werden schlimme Erinnerungen in Susan wach. Trotz ihres eigenen Traumas macht sie sich daran, eigene Nachforschungen anzustellen, denn die Familie möchte den Entführungsfall ohne die Mithilfe der Polizei selbst abwickeln. Widersprüche tun sich auf, menschliche Abgründe. Susan gerät in den Sog der Macht, in die traumatisierte Welt reicher Firmenerben, in der Geld, Ansehen und Tradition eine größere Rolle spielen, als Liebe und Vertrauen.
Leseprobe
Susan war eingekesselt. Vor ihr, hinter ihr, von allen Seiten schoben sich Autos über die Elbbrücken. Keine Chance zu entkommen. Sie steckte fest, wieder einmal. Du schaffst es nicht, heute nicht, niemals … „Verdammt!“ Susan schlug mit der flachen Hand auf das Steuer und traf die Hupe. Der Fahrer vor ihr drehte sich um, tippte sich gegen die Stirn. Sie sah zur Seite. Am Fahrbahnrand lag eine Amsel. Ihr Kopf war nach hinten geknickt, die Augen weit aufgerissen, ausgetrocknet. Ein Rest Flaumfedern wirbelte über die Leitplanke. Ein kleiner zerschmetterter Körper. Kommt dir das nicht bekannt vor? Lauf davon! Lauf, solange du noch kannst! „Nein, tue ich nicht!“ Susan blickte nach vorn und drückte den Handballen fest auf die Hupe. Vier Minuten vor neun bog sie in eine kleine Seitengasse ein. Sie fand die Softwarefirma in einem ehemaligen Fabrikgebäude in der zweiten Häuserreihe und parkte ihren Wagen auf dem Hof, neben den Abfallcontainern. Noch zwischen Fahrertür und Auto versuchte sie, die Knöpfe ihres Blazers zu schließen, doch es war immer dasselbe, in der Taille saß er perfekt, über dem Busen spannte er. „Verdammt!“ „Entschuldigen Sie …“ Nur allmählich drang die tiefe Stimme in ihr Bewusstsein. Susan sah nach oben. Ein Mann im grauen Jackett lehnte aus einem der Fenster. „Tut mir leid, aber heute kommt die Müllabfuhr. Sie sollten diesen Wagen besser woanders parken.“ Susan zog die Mundwinkel nach oben und ließ sie abrupt wieder fallen. Das war eindeutig gegen ihren Fiat gerichtet, dennoch verkniff sie sich eine Antwort und stieg wieder ein. Als sie endlich bei Systems klingelte, war es fünf Minuten nach der verabredeten Zeit. Kein gutes Omen für einen Neuanfang.
Durch die verglasten Bürowände fiel das Tageslicht weit in den Eingangsbereich, warf ein helles Band auf den Parkettboden. Außer dem Surren der Rechner und dem Klappern von Tastaturen, die von flinken Händen bedient wurden, war nichts zu hören. Ein Luftzug trug den Geruch warm gelaufener Platinen zu ihr. Susan strich sich die widerspenstigen Locken so gut es ging hinter die Ohren, atmete tief durch, als Jablonski die Tür eines Büros öffnete, das zur Hofseite lag. Sie ging an ihm vorbei und machte innerlich einen Schritt zurück. Vor ihr stand der Witzbold, grinsend, den Kopf zur Seite geneigt. „Wie ich sehe, haben Sie noch einen Parkplatz gefunden.“ Susan nickte andeutungsweise und hielt ihm die Hand entgegen. Sie musste sich kaum strecken, um ihm in die Augen zu sehen, was bei Männern selten vorkam. „Susan Andretti.“ Ohne den Blick von ihrem Gesicht zu wenden, ergriff er ihre Hand und drückte kräftig zu. „Ich weiß.“ Susans Wangen begannen zu prickeln. „Natürlich.“ Sie zog ihre Hand zurück, führte sie beiläufig an ihrer Nase vorbei. Ein Hauch Seife, weiter nichts. Er benutzte weder Rasierwasser, noch sonstige parfümierte Stoffe. „Bitte, setzen Sie sich.“ Berger zeigte auf einen der Stühle, die um einen großen Konferenztisch herumstanden. Im Gegensatz zu dem Schreibtisch am Ende des Büros, lag nicht ein Stück Papier darauf. Jablonski ging zur Tür, zog sie leise hinter sich zu. Berger war jünger, als sie beim ersten Blick vermutet hatte. Vereinzelt schimmerten drahtige, weiße Haare im dunkelblonden Schopf. Seine Haut zeigte die typische Blässe arbeitswütiger Bürohengste. Am markantesten waren seine tintenblauen Augen, die sie fixierten und einen Deut schmaler wurden, als er sie ansprach. „Ich habe schon gefrühstückt.“ „Bitte?“ Susan schreckte aus ihren Gedanken. „Ich habe nicht vor, Sie zu fressen.“ Berger lehnte sich zurück, verschränkte die Hände hinter dem Kopf. „Sie sehen aus, als ob Sie das befürchten.“ Wärme breitete sich in Susans Gesicht aus, kroch in ihre Kehle, ließ sie trocken und rau werden. „Sie sind zurzeit im Bereich Marketing tätig?“ „Ja …“ „Und das macht Ihnen keinen Spaß mehr.“ Es klang wie eine Feststellung. Was bezweckte er damit? „Doch, natürlich. Programmierung allein ist für eine gute Projektleitung nicht ausreichend. Gerade Marketing und Organisation gehören für mich unbedingt dazu.“ „Sie sind mit objektorientierten Datenbanken vertraut, Vererbung und dem ganzen Gedöns?“ „Ja.“ „Rauchen Sie?“ Susan zögerte. Wollte er ihr eine Zigarette anbieten? Sie hätte längst gerochen, würde er rauchen. „Nein.“ „Wunderbar.“ Er schwieg eine Weile, wobei er sie offen taxierte. Hatte er die kleine Lüge bemerkt? Susan rutschte ein Stück nach hinten und senkte den Blick auf die Tischplatte. Ihre Haare klebten im Nacken. Wenn sie nur nicht so dringend diesen Job bräuchte. In zwei Wochen lief ihr Arbeitsvertrag aus und dies war ihre erste Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Berger räusperte sich, und Susan sah wieder auf. „Frau Andretti, haben Sie Probleme mit dominanten Männern?“ Sie öffnete den Mund, machte eine vage Handbewegung. Was zum Teufel sollte das? „Ich?“ Sie legte ihre Unterarme auf die Tischplatte und richtete sich auf. „Nein.“ Berger grinste. „Ich wollte Sie nicht in Verlegenheit bringen. Aber, es ist von elementarer Wichtigkeit. Ich suche jemanden, dem ich die Projektleitung für die Firma Kronus in Bremen übertragen kann. Ein komplettes Vertriebssystem. Herr Kronus, der Inhaber und Geschäftsführer, ist ein Hanseat vom alten Schlag. Ein Patriarch durch und durch … nicht eben zeitgemäß, indes nicht weniger effektiv. Wie auch immer, wir können es uns nicht leisten, diesen Kunden zu verlieren. Wenn Sie sich das nicht zutrauen, dann sagen Sie es bitte gleich.“ Susan nahm den Kopf noch weiter nach oben und lehnte sich zurück. „Sehe ich so aus?“ Berger fixierte sie erneut, erhob sich und trat auf sie zu. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls aufzustehen. „Vielen Dank, Frau Andretti. Ich bin leider im Zeitdruck. Wir werden uns in Kürze bei Ihnen melden. Herr Jablonski begleitet Sie hinaus.“ Er blickte durch die Glaswand in das benachbarte Büro und gab ein Handzeichen.
Du hast es verbockt! Du hättest auf mich hören sollen! Susan lehnte sich von innen gegen ihre Wohnungstür, zog die Pumps aus und schleuderte sie in die Ecke. Rock und Blazer folgten. Sie riss das Fenster im Wohnzimmer auf, ließ sich auf das Sofa fallen. Du wirst es immer verbocken! Und jetzt? Wie sollte es weitergehen? Ohne Job. Mal wieder. Susan zog sich eines der Kissen über das Gesicht. In ihrem Kopf herrschte das gleiche Chaos wie in ihrer Wohnung. Dabei wollte sie endlich ein normales Leben führen. Endlich einen festen Job, ein Zuhause finden. Du machst dir was vor! Schon fast ein Jahr lebte sie in Bremen. Aber auch hier war es ihr nicht gelungen, sich einzurichten, weder in der Wohnung, noch in ihrem Leben. Die meisten ihrer Sachen dümpelten in Kartons verpackt herum, ebenso wie ihre Gefühle. Es waren genauso viele Kartons, wie sie auf einmal in ihr Auto laden, genauso viele Gefühle, wie sie unter Kontrolle halten konnte. Immer fluchtbereit! „Nein, mobil! Das ist ganz was anderes.“
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