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Let's talk






 

SEVEN FANCY

Alisha Bionda



ISBN: 978-3-940235-95-4

Erschienen: Juni 2010

Preis: 14,90 Euro

Broschiert, 200 Seiten



 

  

Klappentext  

 

 

 

Ist Ihnen im Bus oder Flugzeug langweilig?
Sitzen Sie in der Mittagspause lustlos herum?
Wollen Sie zwischendurch einmal schmunzeln?
Oder sich kurz und knackig unterhalten lassen?
Dann – „Let’s talk“!

Humorvolle, spritzige Shorties über ein Trio, das munter um die Wette "klatscht"- über Männer, Liebe und sonstige Dinge des Lebens.

Mit einem Vorwort von Tanya Carpenter & Melanie Stone.

Von den 45 Shorties sind 28 mit einer Entry-Grafik versehen.

 

Leseprobe

 

LESEPROBE I


SHANDRA


Ich habe das Singledasein gründlich satt. Ein Mann muss her. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Tolle Typen wachsen nun einmal nicht auf Bäumen.    

„Warum legst du dir keinen Kater zu?”, fragt Susan. Ich blicke sie konsterniert an. „Das Tierheim hat immer Katzen, die ein neues Zuhause suchen.”

Man kann Susan vielleicht mangelnde Kontaktfreudigkeit in Sachen Mensch vorwerfen, aber tierlieb ist sie. Daran führt kein Weg vorbei.

„Einen Kater?” Meine Unentschlossenheit könnte nicht größer sein. Ich bin nicht umsonst im Zeichen des Zwillings geboren. Wankelmütig und innerlich zerrissen. Werde ich jetzt auch noch esoterisch? Das fehlt noch. „Und dann aus dem Tierheim...? Womöglich mit allen möglichen Macken. Man weiß ja nie, was sie schon erlebt haben”, versuche ich es mit Argumenten.

Damit brauche ich Susan erst gar nicht zu kommen. Sie rollt mit den Augen und schnappt ihre Autoschlüssel. „Seit Wochen jammerst du, wie einsam du bist. Ein Tier könnte das ändern.”

Sie verabschiedet sich.

Das macht sie immer, wenn unsere Plauderabende nicht wie gewohnt verlaufen. Vor allem, wenn sie mich zum Nachdenken zwingen will, indem sie mich alleine lässt. Ich hasse das, weil es auch noch funktioniert. So sitze ich da und grübele. Allerdings nicht allzu lange. Bereits nach wenigen Minuten steht fest: Morgen gehe ich ins Tierheim und hole mir einen Kater.


*


Unschlüssig laufe ich tags später vor dem Katzenhaus des Tierheims auf und ab. Stoße einen Schrei nach dem anderen aus. Ist der rote Kater nicht prachtvoll? Sieht der Graugetigerte nicht elegant aus? Und erst der Rabenschwarze! Die Qual der Wahl hat mich voll im Griff. Als sie den Grad der Peinlichkeit erreicht, der Tierheimleiterin zum x-ten Mal die Augenbraue Richtung Haaransatz schnellt und ihr Birkenstock beschuhter Fuß immer hektischer auf die sterilen Fliesen wippt, ertönt das Fauchen, bei dem jeder Dschungeltiger blass geworden wäre.

Frau Tierheimleiterin dreht sich herum. Ihre Augenbrauen bilden nun ein exaktes Dreieck. „Ach deeer schon wieder. Es wird Zeit, dass ...” Sie lässt das, was dem Kater blüht, bedrohlich offen und hat mich sofort da, wo sie mich haben will.

In der Mildtäter-Ecke.

Mein Retterinstinkt erwacht.

Ich blicke mich um. Woher kommt das Fauchen? Frau Tierheimleiterin beantwortet meinen fragenden Blick stumm mit einer herrischen Geste.

Dann sehe ich ihn.

Den schwarzen Kater mit weißen Socken – mit weißen Sahnefingern, wie ich sofort innerlich zärtel. Sein Fell glänzt so sehr, als habe man ihn in schwarze Schuhcreme getaucht. Aus giftgrünen Augenschlitzen starrt er mich an und grollt seinen Unmut hinaus in die Welt. Dabei malträtieren seine nadelspitzen Krallen die Gitterstäbe seines Gefängnisses. Er macht einen Buckel, der bei ihm eher putzig, als bedrohlich wirkt. Aber er ist mutig, und das allein zählt und nimmt mich augenblicklich für ihn ein.

Dann sieht er uns an.

Mit stummem Protest im Blick senkt er das Hinterteil und hinterlässt in der Box feuchte Zeichen der Missbilligung. Ohne dabei den Blick abzuwenden. Ich würde am liebsten applaudieren. Besonders, als ich die eisige Miene der Tierheimleiterin sehe. Mein Herz schmilzt dahin wie Butter in der Mittagssonne.

Er hat mich für sich gewonnen!

Ich nehme den Kater mit nach Hause, wälze ein Lexikon und entscheide mich für den stolzen Namen SHANDRA. Als ich ihn abends aus dem Bett verbannen will, gibt er einige empörte Maunzer von sich. Ich diskutiere nicht lange mit ihm und lasse ihn da wo er ist – auf meinem Kopfkissen. Weich und warm. Mein Schädel liegt auf der harten Matratze daneben. Auch gut. Dafür bekomme ich Nachtmusik bis zum Abwinken. Er schnurrt mich dankbar und auch ein wenig triumphierend in den Schlaf.

Wann immer mein Auto nun um die Ecke biegt, schallt mir Shandras lautes und begeistertes Begrüßungsmiauen entgegen.

Ich bin nicht mehr allein!

 

*

LESEPROBE II

 


LIEBESREZEPT


„Weißt du schon das Neuste?” Jojo schiebt sich an mir vorbei in die Küche. Er grinst, als sein Blick auf die Kaffeebecher und den Ascher fällt. „Alles schon bereit”, sagt er zufrieden und lümmelt sich Sekunden später auf seinem angestammten Platz.

„Was soll ich wissen?”, läute ich den Abend ein.

„Tim hat sich von Marion getrennt.”

Das ist allerdings ein Hammer. Immerhin waren sie das Vorzeigepaar. „Weißt du warum sie sich getrennt haben?”, will ich wissen.

Jojo nickt und spannt mich nicht lange auf die Folter. „Man munkelt, im Schlafzimmer sei tote Hose gewesen.”

Ich bin baff. „Sooo?”

Er mustert mich erstaunt. „Hast du ein Problem damit?”, zieht an der Zigarette und streckt die langen Beine von sich.

„Nö. Aber ich muss das erstmal verdauen. Tim und Marion, wer hätte das gedacht?” Zu mehr bin ich erst einmal nicht in der Lage.

„Ich!”, behauptet Jojo großspurig. „Immerhin ist Tim schon seit Urzeiten mein Freund.” Das stimmt. „Als ich das letzte Mal bei ihnen gepennt habe, lief Marion in einem Frotteebademantel herum, der nicht gerade Komm und nimm mich! schrie”, lässt er einen Chauviespruch los.

Ich starre Jojo an.

Ob ihm vielleicht das Gehirn in die Irokesenfrisur geschossen ist? „Warum müssen nur wir Frauen sexy aussehen? Ich erinnere mich, dass Tim in letzter Zeit nur noch im Jogginganzug herumgelaufen ist. Auch nicht gerade ein Aufzug, bei dem sich eine Frau nicht mehr halten kann. Hygiene ist seit Neustem auch ein Fremdwort für ihn. Bei seinem Mundgeruch verbiegen sich die Bettpfosten und seine Hände sind so verschwitzt wie Godzillas Achselhöhlen.”

Jojos Gesichtsausdruck zeigt deutlich, dass er sich gerade auf Tims Seite geschlagen hat. „Marion hat ganz schön zugelegt. Sie hat einen Hintern wie eine Kühltruhe bekommen und ihr Viererkinn ist auch nicht gerade die Krönung der Genüsse.”

Typisch Mann, denke ich. „Tims Schwabbelbauch hat Marion sicher auch keine Gregorianischen Gesänge entlockt.”

Wir stecken mitten im dicksten Streit. Ohne uns sonderlich anzustrengen. Ergreifen für Tim und Marion Partei. Dabei ist das völlig unnötig. Die beiden sind wie viele Auseinandergeliebte selbst für ihr Unglück verantwortlich. Sie haben im Laufe der Beziehung den Respekt voreinander verloren. Haben sich gehen lassen. Beide. Haben sich nicht mehr für den anderen aufgehübscht. Nicht interessant gemacht. Haben beide insgeheim schon länger nach anderen Partnern Ausschau gehalten. Und dabei die schlimmste Liebessünde begangen. Sie sind aus Gewohnheit zusammengeblieben. Weil’s bequem ist.

All das schleudere ich Jojo an den Kopf. Er schweigt. Setzt eine betroffene Miene auf. Die hält sich aber nicht lange. Sein breites Grinsen gefällt mir schon besser. Das ist Jojo. „Wir sind klüger. Wir erhalten uns für unsere Liebsten interessant. Geben ihnen Rätsel auf”, behauptet er großspurig.

Ich nicke. Vergesse für Sekunden, dass ich derzeit gar keinen Liebsten habe, dem ich Rätsel aufgeben kann.

Aber allein der Gedanke zählt.